Eine Zahnfleisch-/Zahnbetterkrankung, in der Fachsprache Gingivitis/Parodontitis genannt (im Volksmund oft auch als Parodontose bezeichnet), ist neben der Karies die häufigste Ursache für den Verlust eines Zahnes. Beide Erkrankungen werden durch Bakterien verursacht, die sich im Zahnbelag befinden. Eine regelmäßige und vor allem sorgfältige Pflege mit Entfernung des Zahnbelages auf Zähnen und Zahnfleisch ist der beste Schutz gegen Karies oder Parodontitis um die eigenen Zähne nicht unnötig zu verlieren.
Der Zahnbelag (Plaque)  ist ein fast für das menschliche Auge unsichtbarer Film, der auf der Zahnoberfläche fest anhaftet. Bei der täglichen Pflege sollte dieser Belag regelmäßig morgens und besonders abends entfernt werden. Hierzu werden Zahnbürste und Zahnpasta, sowie in der Regel Zahnseide benutzt. Nur so wird der Zahn rundherum sauber und alle Flächen, besonders auch die Zahnzwischenräume gereinigt. 

Verbleibt der Zahnbelag, mit Millionen von Bakterien, für eine längere Zeit auf dem Zahn oder am Zahnfleischrand, so führen dieser zunächst zu einer Entzündung des angrenzenden Zahnfleischbereiches. Dieser schwillt an, ist stark gerötet und führt zu Zahnfleischbluten. Da keine Schmerzen auftreten, ist das Bluten ein ernstzunehmendes Alarmsignal. Bleibt diese Entzündung längere Zeit bestehen, entsteht eine Gingivitis. Weitreichende Schäden um den Zahn herum sind die Folge. Der Zahnhalteapparat, d.h. der Knochen , in dem der Zahn verankert ist, fängt an sich abzubauen. Das Zahnfleisch geht zurück da es nicht mehr vom Knochen gestützt wird. Es entsteht eine Zahnfleischtasche. Der Zahn wird nun langsam locker bis er später, nach der Zerstörung seines Halteapparates, ausfällt oder gezogen werden muss.

Die Gefahr durch eine Parodontitis wird unterschätzt. Rund 50 Prozent der erwachsenen Bundesbürger leiden an einer Erkrankung des Zahnhalteapparates. Nur 1,5 Prozent lassen diese jedoch behandeln. Als Diabetiker haben Sie ein bis zu 3-fach erhöhtes Risiko an Parodontitis zu erkranken. 
Nach neuen Zahlen der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie (DGP) müssten 25 Millionen Erwachsene, bei denen sich bereits Zahnfleischtaschen von vier und mehr Millimetern Tiefe gebildet haben, therapiert werden. Entzündungen des Zahnhalteapparates können zu Zahnverlust führen. Deshalb warnen Zahnärzte davor, erste Alarmsignale wie gerötetes Zahnfleisch und spontanes Bluten beim Zähneputzen oder Essen einfach zu ignorieren. 

gesundes Zahnfleisch

Parodontitis

Patienten mit einer Parodontitis, leiden fast immer unter starkem und unangenehmem Mundgeruch. Dieser ist oftmals störend für das Umfeld wie den Partner und die Familie. Nach der Behandlung stellt sich ein frischer Atem von selbst wieder ein.

Somit ist es sehr wichtig die Warnsignale so früh wie möglich zu erkennen:
* Zahnfleischbluten.
* Zahnfleischschwellungen
* Zahnlockerung
* Mundgeruch
Wer solche Symptome bei sich feststellt, sollte bald seinen Zahnarzt aufsuchen. Dieser kann durch eine gründliche Untersuchung, durch Ausmessen der Zahnfleischtaschen und eventuell eine Röntgenaufnahme feststellen, ob eine Parodontitis vorliegt und vor allem wie weit diese schon fortgeschritten ist.

Die Gefahr bei der Parodontitis ist, daß für den Laien das Zahnfleisch noch scheinbar gesund aussieht, da es sich noch nicht zurückgezogen hat. Trotzdem können bereits tiefe Zahnfleischtaschen und Defekte im Knochen vorhanden sein. Die Zahnfleischerkrankungen können Menschen jeden Lebensalters treffen, junge Menschen in der Pubertät, bis ins hohe Alter. Je frühzeitiger eine Parodontitis erkannt wird , um so besser sind die Heilungschancen.

Über die Blutbahn können aus diesem Entzündungsherd Bakterien, Bakteriengifte und Botenstoffe in weit entfernte Regionen des Körpers vordringen. Parodontitis erhöht das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko. Selbst für Atemwegserkrankungen werden Entzündungen des Zahnbettes verantwortlich gemacht. Umgekehrt können viele Allgemeinerkrankungen Erkrankungen der Mundhöhle auslösen. Eine Osteoporose soll das Parodontitis-Risko deutlich erhöhen. Wechselwirkungen zum Diabetes sind klinisch nachweisbar.

Die Behandlung einer Zahnfleischerkrankung baut sich immer aus drei Blöcken auf:

1. Vorbehandlung:
Zunächst wird mit dem Patienten event. nach Anfärben seiner Zahnbeläge ein Mundhygienestatus erstellt und somit die individuelle Mundhygienesituation festgehalten. Abgestimmt auf diese individuelle Situation wird die richtige Putztechnik besprochen und demonstriert, sowie die Pflege der Zwischenräume und Nischen geübt. Selbstverständlich folgen professionelle Zahnreinigungen durch eine entsprechend ausgebildete Helferin, um die Zahnbeläge schon zu einem großen Teil im sichtbaren Bereich zu entfernen.
Eine Analyse der Erregerbakterien im Labor ist bei schweren und weit fortgeschrittenen Parodontitis-Formen durchzuführen. Diese Laboratorien können untersuchen, ob ein Befall mit sogenannten Parodontitiskeimen vorliegt.

2. Die Taschenbehandlung:
Sie erfolgt unter lokaler Betäubung. Hierbei werden bei leichten Parodontitis-Formen, die vertieften Zahnfleischtaschen gesäubert von Bakterien, Zahnstein und Belag. In weiter fortgeschrittenen Fällen können verschiedene Behandlungsmethoden eingesetzt werden, um die Erkrankung zu stoppen. Zahn, Zahnfleischsaum und Knochen müssen  ohne Taschenbildung eine Einheit werden, bei der wieder eine problemlose Reinigung möglich ist 
Als Folgebehandlungen können Zahnfleischverpflanzungen oder Verschiebungen sinnvoll sein, um freiliegende Zahnhälse wieder zu decken und ein ästhetisch schönes Ergebnis zu erzielen.

3. Die Nachsorge:
Der Parodontitis-Patient sollte regelmäßig alle 3-6 Monate Zähne und Zahnfleisch kontrollieren und eine professionelle Zahnreinigung beim Zahnarzt durchführen lassen. Auch bei diesen Kontrollen ist es notwendig regelmäßig die Zahnfleischtaschen zu messen und, falls notwendig, eine weitere parodontale Tiefenreinigung durchzuführen. Eine Parodontitis kann zwar gestoppt, aber niemals ausgeheilt werden. Sie bedarf somit einer lebenslangen Nachsorge. Die Häufigkeit der Nachsorge richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung und der Anzahl vorhandener Risikofaktoren.